Obertongesang

Was ist Obertongesang?

Obertongesang ist die Kunst, mit einer Stimme zwei Töne gleichzeitig zu singen. Genauer ausgedrückt: Obertongesang ist eine Gesangstechnik, die aus dem Klangspektrum der Stimme einzelne Obertöne so herausfiltert, dass sie als getrennte Töne wahrgenommen werden und der Höreindruck einer Mehrstimmigkeit entsteht. Es ist ein faszinierendes archaisches Klangerlebnis. Es klingt, als würde zusätzlich zum gesungenen Ton gleichzeitig eine Art magische Flöte gespielt.

Immer mehr Menschen interessieren sich aus ganz unterschiedlichen Gründen für Obertongesang.

Die gute Nachricht: Obertongesang ist lernbar.

Da Obertöne ein natürlicher Bestandteil des Stimmklangs sind, kann man sagen, dass jeder Mensch der sprechen kann, auch Obertongesang lernen kann.

Andreas Stahel beim Obertongesang

Warum Obertongesang lernen?

Obertongesang zu lernen und zu üben ist weit mehr, als eine neue Gesangs-Technik zu erlernen. Die Erkundung von Obertönen schärft das Ohr und öffnet die Resonanzräume, welche auch zu einer klaren und wohlklingenden Sprech- und Singstimme führen.

Das bewusste Wahrnehmen und das Trainieren der Obertöne in der eigenen Stimme kann eine sehr harmonisierende und beruhigende Wirkung haben, wie schon die englische Bezeichnung für Obertöne „harmonics" andeutet.

„In einer Zeit, in der im Bereich der akustischen Kunst die Tendenz dominiert, alles entweder elektronisch zu verfremden oder gar überhaupt elektronisch zu erzeugen, ist es ein wahrhaft aufregendes Programm, zu den Quellen zurückzukehren und die Stimme als Musikinstrument erneut zu würdigen und zum Maßstab für das zu erheben, was Musik im weitesten Sinne sein kann.“ Michael Vetter

Wer sollte Obertongesang lernen?

Sänger:innen, Singbegeisterte und Musiker:innen: Oberton singen fördert die genaue Kontrolle über die Formanten und trainiert und aktiviert das Obertongehör. Die Intonation wird anhand der reinen Intervalle der Obertonreihe verbessert. Obertongesangstechniken bieten im Bereich neue Musik und Improvisation neue spannende und kreative Möglichkeiten.

Das Erlernen der Gesangstechnik erfordert vergleichsweise wenig Zeit und macht Spass (Suchtfaktor). Es lohnt sich, ein paar Stunden in diese Nische der Gesangspädagogik zu investieren.

Therapeut:innen und spirituell interessierte Menschen: Das bewusste Hören und Steuern der Obertöne fordert Aufmerksamkeit – das stärkt die Achtsamkeit und Konzentrationsfähigkeit. Obertongesang hat eine meditative und beruhigende Wirkung. Für viele wirken die beim Üben erzeugten Klänge sehr harmonisch und entspannend, ähnlich wie Atemübungen oder Meditation. Das parasympathische Nervensystem wird aktiviert („Rest-and-Digest“-Modus), was zu Entspannung, niedrigerem Puls und besserer Regeneration beiträgt. Das Wahrnehmen der Vibrationen in den Resonanzräumen des Körpers kann helfen, Emotionen bewusster wahrzunehmen und zu verarbeiten - ähnlich wie bei Klangtherapie oder Musiktherapie.

SprecherInnen und Vortragende: Wer Obertongesang praktiziert, lernt, seine Stimme viel bewusster zu kontrollieren. Atmung, Resonanzräume und Artikulation werden gezielt eingesetzt, was auch dem Sprechen zugutekommt. Die Stimme wird flexibler, kräftiger und differenzierter.

…und natürlich alle neugierigen Menschen, die sich von dieser faszinierenden Stimmkunst angezogen fühlen und mehr über sie wissen möchten.